Besuch in Berlin auf der IFA 2019 zum Thementag Future Mobility

17/9/2019
Franz Liebermann

In den vergangenen Tagen, vom 04. bis zum 11.September fand in Berlin die jährliche internationale Funkausstellung (IFA) unter dem Slogan „consumer electronics unlimited“ statt. Im Rahmen dieser wurden die Startup Days veranstaltet, welche neben den täglichen Fokusthemen Digital Health, Tech for Good (Social Entrepreneurship), Künstliche Intelligenz, IoT/Wearables/FitTech und Smart Living am letzten Tag der Messe auch den Themenbereich Future Mobility behandelt haben. Durch die Unterstützung des Bundesverband Deutsche Startups e.V. wurde mir, als Vertreter von movaco, ein Besuch dieser Messe ermöglicht, um mich über die neuesten Trends in der Mobilität zu informieren und um Kontakte zu anderen Startups, Unternehmen und Kooperationen aufzubauen.

Viele spannende Diskussionen

Neben zahlreichen sich an Messeständen präsentierenden Startup gab es im Zentrum der IFA NEXT Halle ein lebendiges Programm, genannt „Innovation Engines“. Als sehr interessanten Programmpunkt und auch Seitens movaco oft behandelt, wurde das Thema des rückgängigen Individualverkehrs diskutiert. Am Roundtable wurde die Frage in den Raum geschmissen:

„Ist die Ära des eigenen Autos zu Ende?"

Neben Carpooling, Scootersharing und dem Hyperloop, wurde vor allem auf die aktuellen Problematiken eingegangen, welche sich in deutschen Städten mit dem vermehrten Aufkommen an Tretrollersharing Anbietern ergeben. Als Vertreterin der Berliner Startupszene war Tinia Muehlfenzl von Tier Mobility anwesend, die sich und ihr Startup als nachhaltigere Alternative zur Konkurrenz profilierte. Tier sticht laut ihr vor allem durch eine durchschnittlich längere Nutzungsdauer aus dem Markt hervor. Die genauen Zahlen hierzu konnten jedoch bezüglich des noch sehr jungen Markteintritts noch nicht konkretisiert werden. Als Gesprächspartner war Felix Kreysig als Vertreter von The Drivery anwesend, welche als Berliner Innovationshub Büroflächen und Coworking für Startups mit dem Fokus auf Mobilität anbieten.

An einem selbst für Tretroller-Sharing sehr abgelegenen Spot, etablierte sich die Drivery seit der Eröffnung dieses Jahres als einer der lukrativsten Ansprechpartner für den Sitz von Mobilitätsstartups aus ganz Europa. Herr Kreysig betonte als eigener Pendler die gute Anbindung der Drivery an den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPMV) mit einem direkten Zugang zur U-Bahnstation und einer zukünftig geplanten Car, Scooter und Bikesharing Insel im Rahemen des neuen Programms 'Jelbi' der Berliner Verkehrs Gesellschaft (BVG). Zur Fragestellung ob nun dem eigenen Auto langfristig ein Ende gesetzt sei war von den Beteiligten ein klares JA zu vernehmen.

Dieses Antwort wurde von allen mit der Möglichkeit auf eine Vielzahl von alternativen und nachhaltiger Mobilitätsangeboten, vor allem innerstädtischer Anbieter, begründet. Die Problematik in der ländlichen Vernetzung, also dass viele Personen aktuell noch nicht wirklich um die Nutzung des eigenen PKW’s herumkommen, wurde dabei jedoch nur angeschnitten.

IFA NEXT - Quelle: Messe Berlin

IFA NEXT Mobility Startup 2019

Im direkten Anschluss an den Roundtable wurde sieben Mobilitätsstartups die Möglichkeit geboten vor einer ausgewählten Jury von Investoren Ihre Startups zu pitchen und als IFA NEXT Mobility Startup 2019 gekrönt zu werden. Gezielt gehe ich nun auf zwei Startups ein, die ich persönlich als sehr zukunftsträchtig ansehe und mit einem großen Potential identifiziert habe. Zunächst möchte ich das Startup aipark vorstellen, welche mit Ihrer KI-basierten Erkennungssoftware freie Parkplätze in bereits über 500 Städten genauestens und live identifizieren können. Dieser Service wird Entwicklern von Mobilitätssoftware zur Verfügung gestellt, um deren Kunden die Parkplatzsuche zu erleichtern und um diese bis zu dreimal schneller zu finden. Als zweites Startup, welches auch als Gewinner der Pitch-Veranstaltung hervorging, ist BrighterAI zu nennen, welche durch Anonymisierung von Videomaterial, dieses, in Hinblick auf alle weltweiten Regularien, besser nutzbar machen und beispielsweise die Kameradaten von selbstfahrenden Autos für eine tiefere Analyse zugänglich zu machen. Die Daten sind dadurch ohne unabhängig von der jeweilig geltenden Gesetzgebung, für einen sehr viel breiteren Bereich von Analysen einsetzbar und die Nutzung dieser kann effizienter gestaltet werden, da keine Informationen durch Unkenntlichmachung verloren gehen.

Doch auch aipark ging nicht mit leeren Händen nach Hause, sie wurden vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI) zum Digitalen Startup des Jahres ausgezeichnet. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle vom ganzen movaco-Team.

Die BVG und Jelbi

Abschließend soll der Fokus noch einmal auf die öffentliche Mobilität in Berlin gerichtet werden. Nicht nur an der IFA, sondern auch auf dem Future Mobility Plattformtreffen des Bundesverband Deutsche Startups e.V., an welchem ich zuvor teilgenommen habe, und im lokalen Radio von Berlin bin ich auf die neue Plattform Jelbi aufmerksam gemacht und informiert worden. Jelbi ist ein Produkt der BVG und soll alle Berliner Mobilitätsangebote auf einer Plattform zusammenzuführen und zugänglich machen. Das Programm zeichnet sich bereits jetzt nach dem offiziellen Launch durch eine sehr große Teilnahme an Anbietern aus. Zwar steck die Plattform aktuell noch in den Kinderschuhen, macht jedoch mit diesem sehr guten Ansatz einen wichtigen Schritt in Richtung nachhaltige, innerstädtische Mobilität. Zudem soll sie eine einfachere Zugänglichkeit für die Nutzer und dadurch eine erhöhte Nutzungsrate im öffentlichen Verkehr schaffen. Die Nutzer müssen dabei nicht für jeden Anbieter eine eigene Applikation herunterladen und einen Account einzurichten, dies funktioniert alles plattformübergreifend und ohne direktes Konkurzendenken. Auch movaco sieht diese Lösung als sehr gut und zielführend an, welche auch bei Teilnehmern der IFA auf großes Interesse gestoßen ist. Die BVG ist also nicht nur für die Bemühungen in diesem Bereich sondern auch für viel Innovationskraft zu loben, wovon sich im öffentlichen Nahverkehr viele Städte ein Beispiel nehmen können.

Die Eindrücke und Kontakte, die ich zur Mobilität auf der IFA und darüber hinaus über meinen längeren Aufenthalt in Berlin gesammelt habe, stellen eine große Bereicherung für mich und unser Team dar und werden, wieder zurück in Coburg, für die Weiterentwicklung des Produkts und für einen baldigen Produktlaunch eingebracht.

Berlin, 13.09.2019

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